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EKD Ehrenamt


Projektkoordination

Maria Otte

Kirchenamt der EKD
Referat Sozial- und Gesellschaftspolitik
Herrenhäuser Str. 12
30419 Hannover
Telefon: 0511-2796-415
Fax: 0511-2796-709
E-Mail: maria.otte@ekd.de

Vorsitz der Steuerungsgruppe Ehrenamtsportal

OKR Dr. theol. Ralph Charbonnier

Vorsitz der Steuerungsgruppe Ehrenamtsportal

Kirchenamt der EKD
Referat Sozial- und Gesellschaftspolitik
Herrenhäuser Str. 12
30419 Hannover
Telefon: 0511-2796-410
Fax: 0511-2796-709
E-Mail: ralph.charbonnier@ekd.de

„Das Thema Ehrenamt sollte in jedem kirchlichen Bereich, auf jeder Ebene ein kontinuierliches, zentrales Anliegen sein.“

Herr Dr. Charbonnier, welche Rolle spielt das Ehrenamt für die Zukunft unserer Kirche?

Eine entscheidende! Schon wenn man die Zahl der Mitarbeitenden der Kirche ansieht – circa 98 Prozent der in einer Kirchengemeinde tätigen Mitarbeitenden wirken ehrenamtlich mit – ist klar, dass die evangelische Kirche eine Kirche mit vielen Ehrenamtlichen ist, die von wenigen, aber hoch motivierten und kompetenten beruflich Tätigen begleitet und unterstützt werden.

Sie engagieren sich in der Steuerungsgruppe Ehrenamt. Was ist Ihre persönliche Motivation, unentgeltlich Zeit und Wissen zu investieren?

In der Steuerungsgruppe arbeite ich beruflich mit. Aber an anderer Stelle arbeite ich ehrenamtlich – innerhalb und außerhalb der Kirche. Dabei sehe ich, wie wichtig eine bewusste, kompetente und liebevolle Begleitung der ehrenamtlichen Arbeit ist.

Sicher kennen Sie die Doppelbelastung aus Ehrenamt und Beruf aus Ihrer eigenen Arbeit. Wie finden Sie für sich selbst die Grenze zwischen Engagement und Überlastung?

Hinzu kommt als dritter Bereich noch die Familie – ich gehöre zur „Sandwich-Generation“: Die Kinder sind noch im Haus, die Eltern brauchen Unterstützung. Deswegen ist es nötig, dass sowohl im Beruf wie im Ehrenamt wie in der Familie offen über das Engagement und seine Grenzen in den jeweiligen Bereichen gesprochen wird.

Die Fragen um den Begriff des Ehrenamtes berühren letztlich alle Bereiche kirchlichen Handels. Wie sollte Kirche den Diskurs über dieses Thema in Zukunft führen?

Das Thema Ehrenamt sollte in jedem kirchlichen Bereich, auf jeder Ebene ein kontinuierliches, zentrales Anliegen sein. Deswegen gehören Überlegungen zur Gewinnung, Begleitung, Unterstützung und Verabschiedung von Ehrenamtlichen wie auch die Gestaltung struktureller Rahmenbedingungen in einen ständigen Ausschuss und in die Verantwortung der Leitenden – mit gleicher Selbstverständlichkeit und mit gleichem Gewicht wie „Finanzen“ oder „Stellenplanung“.

Mit dem Projekt „Zukunft Ehrenamt“ möchte die EKD ganz bewusst keinen Expertendiskurs führen, sondern viele unterschiedliche Stimmen in die Diskussion aufnehmen. Was sind die Hintergründe dieser Entscheidung?

Nicht gewollt ist ein Diskurs der „Elfenbein-Experten“. Gesucht wird dagegen ein Diskurs der Personen, die auf den je eigenen Erfahrungsgebieten Experten sind: Ehrenamtliche, die ihre erfreulichen oder auch problematischen Erfahrungen täglich oder wöchentlich machen, beruflich Tätige, die ihre Freuden und Nöte in ihrer Zusammenarbeit mit Ehrenamtlichen erleben, Freiwilligenmanagerinnen und -manager sowie Ehrenamtsbeauftragte, die die Arbeit der Ehrenamtlichen und die Zusammenarbeit mit beruflich Tätigen auf dem Hintergrund von Theorie und Theologie reflektieren können.


Ansprechpartner, Themenpatinnen und Themenpaten, Autorinnen und Autoren des Projektes

Dr. Steffen Bauer, Pfarrer

Autor und Themenpate für: Beruflichkeit & Ehrenamt

Evangelische Kirche in Hessen und Nassau
Kirchenverwaltung Ehrenamtsakademie
Paulusplatz 1
64285 Darmstadt
Telefon: 06151-405-355
Fax: 06151-405-555 355
E-Mail: steffen.bauer@ekhn-kv.de

„Die Fragen zum Ehrenamt werden bisher allzu isoliert voneinander gesehen. Was für jede Kirchengemeinde gut ist, das gilt auch für die Landeskirchen und auch für den Bereich des Ehrenamtes: Über den eigenen Zaun hinauszuschauen bereichert“

Herr Dr. Bauer, welche Rolle spielt das Ehrenamt für die Zukunft unserer Kirche?

Nicht nur für die Zukunft, sondern auch schon für die Vergangenheit und die Gegenwart unserer Kirche ist und war das Ehrenamt von ganz entscheidender Bedeutung. Kirche lebt vom freiwilligen und unentgeltlichen Engagement sowie der Gemeinschaft vieler.

Sie engagieren sich in der Steuerungsgruppe Ehrenamt. Was ist Ihre persönliche Motivation, unentgeltlich Zeit und Wissen zu investieren?

Die Fragen zum Ehrenamt werden bisher allzu isoliert voneinander gesehen. Was für jede Kirchengemeinde gut ist, das gilt auch für die Landeskirchen und auch für den Bereich des Ehrenamtes: Über den eigenen Zaun hinauszuschauen bereichert, macht stärker, bringt neue Ideen. In die Steuerungsgruppe fließen unterschiedliche Sichtweisen und Erfahrungen ein, und es ist schön, sich von beidem bereichern zu lassen.

Sicher kennen Sie die Doppelbelastung aus Ehrenamt und Beruf aus Ihrer eigenen Arbeit. Wie finden Sie für sich selbst die Grenze zwischen Engagement und Überlastung?

Indem ich mühsam gelernt habe, auf beiden Feldern auch mal „Nein“ zu sagen. Ich glaube, dass insbesondere in der Kirche ein solches „Nein“ häufig viel zu spät oder gar nicht ausgesprochen wird und deshalb die Balance oftmals aus den Fugen gerät. Bei mir jedenfalls war das so, und das habe ich lernen müssen.

Die Fragen um den Begriff des Ehrenamtes berühren letztlich alle Bereiche kirchlichen Handels. Wie sollte Kirche den Diskurs über dieses Thema in Zukunft führen?

Auf vielerlei Art und Weise, sowohl inhaltlich als auch formal. Damit meine ich, dass es für die Kirche wichtig ist, die Vielfalt ehrenamtlichen Engagements auch darin auszudrücken, dass sie den Diskurs vielfältig führt. Das bedeutet, dass sie ganz neue Medien nutzen muss. Neben der Veröffentlichung in Papierform muss dann eben auch das YouTube-Video, der Chat, das Forum und vieles andere mehr stehen. Es ist wichtig, dass wir schon von der Form her zeigen, dass wir Menschen mit ganz unterschiedlichen Interessen und Gewohnheiten ansprechen und mitbestimmen lassen wollen.

Der engagierte Kern in der EKD ist im Schnitt über 60 Jahre alt. Was kann getan werden, um die Kirche attraktiver für jüngere Engagierte zu machen?

Gerade wenn wir verstärkt Themen wie die Bewahrung der Schöpfung, die Gerechtigkeit, den Frieden oder eben Menschen auf der Flucht in den Mittelpunkt stellen, werden auch jüngere Menschen auf Kirche aufmerksam. Wenn unsere Haltung dann die ist, dass wir uns auch über zeitlich begrenztes Engagement ebenso freuen wie über langjähriges, wenn wir in der Leitung Verantwortung ernsthaft delegieren und auf diese Weise Räume zur Mitarbeit öffnen, dann werden wir auch eine größere Vielfalt an Menschen ansprechen.


Dr. Ralph Fischer, Diakon

Autor für: Monetarisierung & Prekarisierung

Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck
Fachstelle Engagementförderung
Wilhelmshöher Allee 330
34131 Kassel
Telefon: 0561-9378-282
E-Mail: ralph.fischer@ekkw.de

„Kirche und Gesellschaft haben mir in meinem Leben viel ermöglicht. Aus diesem Grund bin ich gern bereit, Wissen und Zeit zur Verfügung zu stellen, weil ich ohne die Menschen, die das vor 40 Jahren für mich gemacht haben, meinen Weg nicht hätte gehen können.“

Herr Dr. Fischer, welche Rolle spielt das Ehrenamt für die Zukunft unserer Kirche?

Die Zukunft der Kirchen wird in Deutschland eine ehrenamtliche sein, insofern spielt es eine überaus entscheidende Rolle. Zum einen ist dieses natürlich darin begründet, dass die Finanzentwicklung der Kirchen bewirkt, dass die Zahl der beruflichen Mitarbeitenden in den nächsten Jahren deutlich zurückgehen wird. Zum anderen – und das ist viel wichtiger – wollen immer weniger Menschen kirchlich „versorgt“ werden, sie wollen nicht nur mitgestalten oder mitmachen, sie wollen gestalten und machen. Deshalb werden sich die Rollen und die Aufgaben der Hauptamtlichen gravierend verändern (müssen).

Sie engagieren sich für das Diskursprojekt evangelisch-ehrenamt.de. Was ist Ihre persönliche Motivation, unentgeltlich Zeit und Wissen zu investieren?

Ich bin ein sogenannter Bildungsaufsteiger. Kirche und Gesellschaft haben mir in meinem Leben viel ermöglicht. Aus diesem Grund bin ich gern bereit, Wissen und Zeit zur Verfügung zu stellen, weil ich ohne die Menschen, die das vor 40 Jahren für mich gemacht haben, meinen Weg nicht hätte gehen können. Dazu kommt natürlich auch meine Begeisterung für das Thema, und ich kenne auch keine Kolleginnen oder Kollegen in der „Ehrenamtsszene“, die sich wegen der Freude und Vitalität, die dem Ehrenamt eigen ist, nicht auch immer wieder unentgeltlich für das Ehrenamt engagieren. Im Hinblick auf das Phänomen Prekarität ist mein Movens hingegen ein tiefes Unbehagen darüber, dass die Lebenssituation sowie die Lebensleistung von Menschen in prekären Lebensverhältnissen im kirchlichen wie im gesellschaftlichen Diskurs nicht hinreichend wahrgenommen und gewürdigt werden. Gerade vor dem Hintergrund meiner beruflichen Entscheidung für das Diakonat fühle ich mich hier immer wieder dazu herausgefordert, Stellung zu beziehen.

Sicher kennen Sie die Doppelbelastung aus Ehrenamt und Beruf aus Ihrer eigenen Arbeit. Wie finden Sie für sich selbst die Grenze zwischen Engagement und Überlastung?

Zum Glück gibt mir mein Arbeitgeber viel Unterstützung, und das macht es für mich einfacher, mich zu engagieren. Doch ich erlaube mir in meinem ehrenamtlichen Engagement auch eine gewisse Entschiedenheit, denn ich mache hier nur Dinge, die mich begeistern oder wenigstens in hohem Maße überzeugen, und ich mache es nur in der Nähe meines Wohnortes. Sobald sich bei mir aber das Gefühl festsetzt, dass ich mit meinem Engagement nicht am richtigen Platz bin, prüfe ich meine Rolle sorgfältig und überlege, was das bedeutet. Auf diese Weise komme ich in meinem Engagement eher selten in den Bereich der Überlastung.

Die Fragen um den Begriff des Ehrenamtes berühren letztlich alle Bereiche kirchlichen Handelns. Wie sollte Kirche den Diskurs über dieses Thema in Zukunft führen?

Ehrlich, zuhörend, zulassend und offensiv. Es gibt keine Ehrenamtsorganisation, die so vielfältige Engagements ermöglicht wie die Kirchen; allerdings wird auch an kaum eine andere Organisation ein so hoher moralischer Anspruch adressiert. Das verlangt von uns beispielsweise, dass wir unsere Motive offenlegen, wenn wir Ehrenamtliche suchen, dass wir Ehrenamtliche nicht klammheimlich dazu benutzen, Personalkosten zu reduzieren, dass wir nicht nur immer die Chancen, sondern auch die Grenzen des ehrenamtlichen Engagements thematisieren. Wir müssen hören, was die Menschen in unserer Gesellschaft umtreibt, was sie vermissen, was sie einbringen wollen und was sie brauchen, um sich ehrenamtlich zu engagieren. Und nicht zuletzt müssen wir es zulassen, dass sich die Gestalt, die Strukturen und Abläufe in einer immer stärker vom Ehrenamt geprägten Kirche zunehmend an den Bedürfnissen der Ehrenamtlichen ausrichten werden.

Sie haben die Patenschaft für ein sehr kontroverses Thema übernommen: Was ist Ihre persönliche Meinung – sollte kirchliches Ehrenamt vergütet werden, oder verwässert man damit die Idee des Engagements?

Hier gibt es für mich nur ein entschiedenes Nein zum monetär vergüteten Ehrenamt. Wo Geld fließt, gelten die Gesetze des Geldes, da hat alles seinen Preis, da gibt es Anbieter und Kunden, teuer und billig. Das Ehrenamt ist aber unter anderem Ausdruck von Teilhabe um ihrer selbst willen, damit ist es ein zentraler Ausdruck bürgerlicher Würde und Selbstbestimmung. Allerdings nur, so lange es unbezahlt ist. Das oft angeführte Argument, in unserem Land hätten nicht wenige nicht genug und könnten sich daher nicht umsonst engagieren, verweist für mich weniger auf die Notwendigkeit eines „bezahlten Ehrenamts“, sondern vielmehr auf einen gesellschaftlichen Skandal, den zuerst Staat und Wirtschaft zu verantworten und zu lösen haben – aber eben nicht die Organisationen des Ehrenamts. Vor einiger Zeit wurde in den Ehrenamtsdiskurs die Figur des „sozialen Zuverdieners“, des „Bürgerhelfers“ eingebracht. Allein diese Semantik ist schon ein Alarmsignal für eine demokratisch verfasste Gesellschaft. In der sogenannten Wiege der Demokratie, im antiken Athen, erhielten die Bürger eines Tages für ihre Teilnahme an den Volksversammlungen Geldzahlungen, damit waren sie für Sokrates zu Soldempfängern herabgesunken. Eine Tugend kann man weder kaufen, noch kann man sie verkaufen. Tugend hat ihren Wert, aber kein Preisschild. Das gilt auch für die im Ehrenamt wirksamen Bürgertugenden.


Dr. Kristin Junga

Autorin für: Kirche & Zivilgesellschaft, Themenpatin und Autorin für: Partizipation & Leitung

Leiterin Arbeitsstelle Ehrenamt der Nordkirche
Dorothee-Sölle-Haus Königstr. 54
22767 Hamburg

Telefon: 040-306 20-12 41
Fax: 040-306 20-12 09
Mobil: 01 51-11 17 37 21
E-Mail: kristin.junga@ehrenamt.nordkirche.de

„Viele in Kirche spüren einen Wandel und arbeiten in ihren Handlungsbereichen an Lösungsideen. Die Herausforderung wird sein, vernetzte Konzepte zu entwickeln, die sich klug aufeinander beziehen, und das nicht nur im Bereich Weiterbildung.“

Frau Dr. Junga, welche Rolle spielt das Ehrenamt für die Zukunft unserer Kirche?

Drei Gründe sprechen aus meiner Sicht dafür, dass das Ehrenamt für die Zukunft unserer Kirche eine tragende Rolle spielen wird:
1. Die „Botschaft des Priestertums aller Getauften“ scheint im kirchlichen Alltag an verschiedenen Stellen verloren gegangen zu sein. Wenn Kirchengemeinden an ihrer Engagementfreundlichkeit arbeiten, füllen sie den Begriff der Dienstgemeinschaft mit Leben und sind damit auch in nichtkirchlichen Kontexten in ihren Anliegen zu verstehen.
2. Der Grad des Zugehörigkeitsgefühls von Menschen zu Institutionen steigt mit dem Grad ihrer Beteiligung. Dass jeder Mensch fast überall selbstbestimmt, flexibel, seinen Wünschen entsprechend und eigenverantwortlich mitmachen kann, ist Grundlage dessen, was im Internet zu unserer Kultur geworden ist. Eine logische Folge für Kirche wäre, stärker als bisher auf Beteiligungs- und Mitmachgelegenheiten zu setzen.
3. Es ist kein Geheimnis: Viele sind sich einig, dass die Zeit des Ausbaues von Beruflichkeit ein Ende haben wird.

Sie engagieren sich in der Steuerungsgruppe Ehrenamt. Was ist Ihre persönliche Motivation, unentgeltlich Zeit und Wissen zu investieren?

Strategien für die Ehrenamtsförderung zu entwickeln, ist ein neues Feld in Kirche. Dazu brauchen wir den Blick über landeskirchliche Gegebenheiten hinaus. Den Austausch in diesem Portal mitzuermöglichen, ist mir daher ein Anliegen. Die Nordkirche als meine Arbeitgeberin teilt dieses Anliegen.

Sicher kennen Sie die Doppelbelastung aus Ehrenamt und Beruf aus Ihrer eigenen Arbeit. Wie finden Sie für sich selbst die Grenze zwischen Engagement und Überlastung?

Diese Grenze nehme ich ganz unterschiedlich wahr. Wenn ich in mehreren Feldern gleichzeitig engagiert war, ist es mir meist gut gelungen, sie flexibel zu halten, zum Beispiel in meiner Zeit als Übungsleiterin, bei der Fachschaftsarbeit oder bei verschiedenen Ausschussarbeiten. Sich aktiv ein Engagement zu suchen, während sich die Arbeit selbst bereits flexibel ausdehnt, stellt sich mir als größere Herausforderung dar. Ich würde mir derzeit kein weiteres Tätigkeitsfeld aktiv suchen, aber über Angebote durchaus nachdenken. Nach meinem Umzug halten sich die Angebote allerdings in Grenzen.

Die Fragen um den Begriff des Ehrenamtes berühren letztlich alle Bereiche kirchlichen Handels. Wie sollte Kirche den Diskurs über dieses Thema in Zukunft führen?

Viele in der Kirche spüren einen Wandel und arbeiten in ihren Handlungsbereichen an Lösungsideen. Die Herausforderung wird sein, vernetzte Konzepte zu entwickeln, die sich klug aufeinander beziehen, und das nicht nur im Bereich Weiterbildung. Dazu ist es wichtig, aufzudecken, dass bestimmte Fragen für alle Felder in der Kirche relevant sind, und Orte zu finden, die neben Synoden die Möglichkeit bieten, diese Felder zu beraten. Es wird nötig sein, in diesem vernetzten Arbeiten Konkurrenzen mit etablierten Strukturen zu vermeiden.

Auf den Feldern ehrenamtlicher Arbeit stellen sich zunehmend professionelle Herausforderungen. Wie würden Sie den Ehrenamtler/die Ehrenamtlerin der Zukunft beschreiben?

Selbstbewusst, kommunikationsfähig, flexibel.


Dipl.-Päd. Thomas Kegel

Autor für: Glaube & Beauftragung

Systemische Beratung und Organisationsentwicklung Hannover

E-Mail: mail@kegel-ehrenamt.de
Website: www.kegel-ehrenamt.de

„Kirchengemeinden und –kreise werden wohl künftig weitgehend aus selbstorganisierten, freiwillig/ehrenamtliche engagierten Gruppen bestehen, die Gottesdienste, Gemeindearbeit, Gemeindediakonie selbst gestalten und weitgehend selbst verwalten werden.“

Herr Kegel, welche Rolle spielt das Ehrenamt für die Zukunft unserer Kirche?

Das Ehrenamt spielt eine zentrale Rolle in der Zukunft der Kirche. Warum? Aufgrund der gesellschaftlichen Veränderungen – Demografie, Säkularisierung, gesellschaftliche Spaltungen, ökonomische Entwicklungen, aber auch im Bereich Kirchensteuern – wird es bis zur Mitte des Jahrhunderts die Kirche, wie wir sie aktuell noch kennen, nicht mehr geben. Blicken wir nach Frankreich oder die Niederlande, dann gewinnen wir eine ungefähre Vorstellung, wie Kirche werden könnte und sich dann gestalten wird. Kirchengemeinden und -kreise werden wohl künftig weitgehend aus selbstorganisierten, freiwillig oder ehrenamtlich engagierten Gruppen bestehen, die Gottesdienste, Gemeindearbeit, Gemeindediakonie selbst gestalten und verwalten werden. Ach übrigens: Es scheint ja bereits aktuell so zu sein, dass der Nachwuchs an Pastorinnen und Pastoren, Diakoninnen und Diakonen weitgehend ausbleibt! Frage ist dann: Wer ist eigentlich noch Kirche? Meine Antwort: die lebendigen kleinen Gemeinden, die aus Ehrenamtlichen bestehen …

Sie engagieren sich in der Steuerungsgruppe Ehrenamt. Was ist Ihre persönliche Motivation, unentgeltlich Zeit und Wissen zu investieren?

Ich bin in der Gruppe seit einigen Jahren engagiert, zunächst beruflich über die von mir lange Jahre geleitete Akademie für Ehrenamtlichkeit Deutschland, jetzt ehrenamtlich. Mein Interesse ist, dass sich die Mitgliedskirchen der EKD und die EKD selbst intensiv mit dem Ehrenamt auseinandersetzen. Damit verbinde ich Stichworte wie Beteiligungskirche, innerkirchliche Demokratisierung und das Luther’sche „Allgemeine Priestertum aller Getauften“. Dass sich Ehrenamtliche und beruflich Engagierte in ihren Diensten ergänzen und sich auf Augenhöhe begegnen, das ist mein Anliegen.

Sicher kennen Sie die Doppelbelastung aus Ehrenamt und Beruf aus Ihrer eigenen Arbeit. Wie finden Sie für sich selbst die Grenze zwischen Engagement und Überlastung?

Ja, es geht ganz schnell, dass man als Ehrenamtlicher die Hand ausstreckt und dann den ganzen Arm ausgerissen bekommt. Sich selbst klare Ziele und ganz klare Zeitgrenzen setzen und diese dann mitteilen, das ist wichtig.

Die Fragen um den Begriff des Ehrenamtes berühren letztlich alle Bereiche kirchlichen Handels. Wie sollte Kirche den Diskurs über dieses Thema in Zukunft führen?

Das Thema Ehrenamt muss eigentlich als eines der Mittelpunktthemen der Kirche besprochen und in allen Bereichen mitgedacht werden. Denn in der evangelischen Kirche ist das Ehrenamt überall beteiligt. Da Ehrenamtsförderung Geld kostet und auf mehr Beteiligung dringt, löst es bei vielen Amtsträgern Befürchtungen aus. Dass Ehrenamtliche mithelfen, das hat man gern, aber dann wollen die jetzt auch noch mitbestimmen oder gar selbst bestimmen! Und sie haben auch noch Ansprüche: auf Wertschätzung, Fortbildung, Kostenübernahmen … Ganz deutlich ausgesprochen: Die Rollen und Funktionen der Hauptamtlichen werden sich verändern und vor allem neu legitimieren müssen! Ich befürworte dies und bete darum, dass dies aus inhaltlichen Gründen geschehen möge und nicht vor dem Hintergrund pekuniärer Aspekte. Hauptamtliche werden zentrale Aufgaben haben als gut ausgebildete Lehrerinnen und Lehrer in theologischen Fragen, als Unterstützende und Fördernde der ehrenamtlich tätigen Prädikantinnen und Prädikanten, Lektorinnen und Lektoren sowie sonstigen Kasualien-Spenderinnen und -Spendern und der Gemeindeleitungen, in denen künftig noch mehr ausgesuchte Expertinnen und Experten für Management, Finanzen, Personal et cetera arbeiten werden. Die ehrenamtlichen Gemeindeleitungen brauchen Förderung und Unterstützung in der geistlichen Leitung der Gemeinden, weniger in den Managementfragen. Dafür werden Hauptamtliche in naher Zukunft ihr Wissen, ihr Können, ihre Fähigkeiten und Gaben einsetzen.

In allen Bereichen ehrenamtlicher Arbeit kann man eine Professionalisierung feststellen, gleichzeitig möchte Kirche Menschen engagieren, die aus ihrem Glauben heraus handeln. Wie kann diese doppelte Herausforderung gelingen?

Indem die Kirche, also besonders die Kirchengemeinden, professionell an die Themenbereiche Ehrenamt, Engagementförderung, Ehrenamtskoordination und Freiwilligenmanagement herangeht. Da ist seit der Jahrtausendwende auch schon einiges passiert, aber mein Eindruck ist, dass Ehrenamtsförderung immer noch eher ein Dasein als Randthema fristet. Dann meine ich, dass es bei der Gewinnung von Engagierten darum geht, diese nach ihren Erfahrungen und ihrer Professionalität zu fragen. Genauso sollten aber die Gaben und vielleicht noch brachliegende Begabungen erfragt werden. Für beides gilt es, entsprechend qualifizierte Angebote in den Kirchengemeinden zu offerieren! Dafür braucht es entsprechend qualifizierte Personen, etwas Geld, Raum, Zeit – also Ressourcen – und den Blick über die Parochialgrenzen hinaus, um auch Außenstehende anzusprechen … Dann werden die Kirchengemeinden dadurch belohnt, dass die passenden Personen mit den zu ihnen passenden Aufgaben betraut sind und dass die Christinnen und Christen ihre Gaben leben können. Für sich, für andere, für die Gemeinden.


Dr. Christiane Metzner

Themenpatin für: Kirche & Zivilgesellschaft

Studienleiterin für Ehrenamt (AKD)
Amt für kirchliche Dienste in der evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz
Goethestraße 26-30
10625 Berlin

Telefon: 030-3191-221
Fax: 030-3191-202
E-Mail: c.metzner@akd-ekbo.de

„Kirche hat die Chance, mit vielen Menschen einen wertvollen Beitrag zur Gestaltung unserer Gesellschaft zu leisten.“

Frau Dr. Metzner, welche Rolle spielt das Ehrenamt für die Zukunft unserer Kirche?

Ehrenamtliches Handeln prägt die Menschen und ihr Verständnis von Gemeinde und Gesellschaft. Kirche hat die Chance, mit vielen Menschen einen wertvollen Beitrag zur Gestaltung unserer Gesellschaft zu leisten. Dies fängt allerdings nicht mit Erwachsenen an. Die Förderung des Engagements von Kindern und Jugendlichen auf eine breite Basis zu stellen, ist für mich ein Schlüssel zu nachhaltigem Engagement. Gerade die gemeindliche Kinder- und Jugendarbeit kann hierbei wertvolle Spielräume eröffnen und als Initialzündung wirken.

Sie engagieren sich in der Steuerungsgruppe Ehrenamt. Was ist Ihre persönliche Motivation, unentgeltlich Zeit und Wissen zu investieren?

Ich will, dass etwas geschieht, und darum mache ich etwas.

Sicher kennen Sie die Doppelbelastung aus Ehrenamt und Beruf aus Ihrer eigenen Arbeit. Wie finden Sie für sich selbst die Grenze zwischen Engagement und Überlastung?

Wenn ich überlastet sein sollte, habe ich entweder bei 90 Prozent nicht innegehalten, oder ich habe mal wieder gedacht, ich müsse alles allein schaffen. Dabei ist Ehrenamt Teamarbeit!

Die Fragen um den Begriff des Ehrenamtes berühren letztlich alle Bereiche kirchlichen Handels. Wie sollte Kirche den Diskurs über dieses Thema in Zukunft führen?

Gerade angesichts unserer alternden und bunter werdenden Gesellschaft muss die Kirche aufpassen, dass das Wesen des Ehrenamtes nicht zu dominant von einer speziellen Gruppe bestimmt wird. Kirche als Teil der Zivilgesellschaft muss hier weiter denken und vielgestaltiges Engagement mit unterschiedlichen Partizipationsformen ermöglichen.

Mit dem Projekt „Zukunft Ehrenamt“ möchte die EKD ganz bewusst keinen Expertendiskurs führen, sondern viele unterschiedliche Stimmen in die Diskussion aufnehmen. Was sind die Hintergründe dieser Entscheidung?

Um zum Gelingen von Gemeinschaft und Gemeinde beizutragen, sind wir alle gefragt, darin sind wir auch alle Expertinnen und Experten. Für den Austausch untereinander und die Weiterentwicklung des Ehrenamtes braucht es daher keine wissenschaftliche Brille, sondern möglichst viele unterschiedliche Erfahrungshintergründe, um die Wirklichkeit von Kirche abzubilden und das Ehrenamt fit für die Zukunft zu machen.


Dieter Rothardt, Pfarrer i. R.

Autor für: Partizipation & Leitung sowie Kirche & Zivilgesellschaft

Twiehauser Straße 33
32351 Stemwede
Telefon: 05745-91 11 69
Mobil: 0151-15 619 762
E-Mail: dieter.rothardt@twiesen.de

Herr Rothardt, welche Rolle spielt das Ehrenamt für die Zukunft unserer Kirche?

Evangelische Kirche lebt vom Zusammenwirken von hauptberuflich und ehrenamtlich Engagierten. Das hat sie geprägt. Für dieses Zusammenwirken zeitgemäße Formen zu finden, ist die Zukunftsaufgabe. Das Priestertum aller Getauften bedeutet auch, dass jeder dem anderen Priester sein kann. Christinnen und Christen sind aufgefordert, andere in ihrem Glaubensleben zu unterstützen. Das bedeutet, dass in der Kirche eine eigene Vorstellung von „Dienstleistung“ entwickelt werden muss. Die Hauptberuflichen sind nicht die Servicekräfte für den Rest der Gemeinde, und die Ehrenamtlichen sind nicht die Zuarbeiter für die Hauptamtlichen. Die Grundidee, dass es um der gesamten Gemeinde aufgetragene Dienste geht, ist schon lange vorhanden. Aber unsere Vorstellungen von dieser Dienstgemeinschaft brauchen neue Inspiration, damit sie einladend für viele werden kann.

Sie engagieren sich in der Steuerungsgruppe Ehrenamt. Was ist Ihre persönliche Motivation, unentgeltlich Zeit und Wissen zu investieren?

Für den Zusammenhalt unserer Gesellschaft sind zwei Themen zentral. Die persönliche Verantwortung füreinander in den Familien und das ehrenamtliche Engagement. In beiden Fällen unterliegen die Formen, in denen Verantwortung übernommen wird, einem starken Wandel. Dass Familien Verantwortung in vielfältigen Formen leben, ist in der gesellschaftspolitischen Debatte inzwischen angekommen. Aber dass gute Rahmenbedingungen für bürgerschaftliches Engagement entscheidend sind für die Zukunft unserer Demokratie, das ist in seiner Tragweite noch lange nicht Allgemeingut. Ehrenamt ist in der „Kirche der Freiheit“ für mich auch Engagement für eine freiheitliche Gesellschaft.

Sicher kennen Sie die Doppelbelastung aus Ehrenamt und Beruf aus Ihrer eigenen Arbeit. Wie finden Sie für sich selbst die Grenze zwischen Engagement und Überlastung?

Für diese Balance hatte ich noch nie wirklich Talent. In der Vergangenheit haben die beruflichen Prioritäten und notwendige Zeiten für Familie und Erholung oft wenig Raum für das Ehrenamt gelassen. Das ist jetzt anders. Aber es ist eine andere Schwierigkeit sichtbar geworden. Als Ehrenamtlicher kann man sich nicht darauf verlassen, zuverlässige Rahmenbedingungen für das Engagement vorzufinden. Oft werde ich an das „Mach mal!“ aus den Anfängen meiner beruflichen Praxis erinnert. Man engagiert sich und hat doch das Gefühl, nichts zu bewegen. Die, die für verbindliche Rahmenbedingungen zuständig sein sollten, ducken sich weg. Engagementbereitschaft wird verschlissen, wenn sich niemand für verbindliche Strukturen und notwendige Entscheidungen verantwortlich fühlt.

Die Fragen um den Begriff des Ehrenamtes berühren letztlich alle Bereiche kirchlichen Handels. Wie sollte Kirche den Diskurs über dieses Thema in Zukunft führen?

Analytisch, praxisbezogen, mit konkreten Impulsen. Gut wäre mehr organisationsanalytische Empirie. Was motiviert Menschen? Welche Erfahrungen verstärken Engagement? Welche bremsen es aus? Welche zeitgemäßen Formen geteilter Verantwortung entwickeln sich in der Kirche? Was sollten Hauptberufliche und Ehrenamtliche gemeinsam verlernen und neu lernen?

Unsere Gesellschaft befindet sich auf dem Weg in die digitale Moderne: Kommunikation wird schneller, dichter und vielleicht auch unverbindlicher. Welche Auswirkungen hat dieser Trend auf die Gestaltung ehrenamtlicher Arbeit?

So viel ändert sich nicht in der Herde. Die Geschichten der alttestamentlichen Kleinviehhirten mussten gut sein und aus sich heraus überzeugen, damit sie weitererzählt wurden. Der Ruf „Kreuzigt ihn!“ hatte schon in neutestamentlicher Zeit zu viele Follower. Kommunikation, die auf Ressentiments und kurzfristige Stimmungsmache setzt, ist nach wie vor riskant. Verbindlichkeit entsteht immer von Angesicht zu Angesicht. Jede Zeit braucht gute Storys, die Menschen helfen, sich in ihren Beziehungen zu orientieren. „Alte“ Geschichten werden aktuell, wenn sich die darin aufbewahrte Lebenserfahrung erschließt. Soziale Medien können die Pflege persönlicher Beziehungen unterstützen. Digitale Medien können den Informationsaustausch erleichtern, wenn etwas organisiert werden muss. Aber engagierte Menschen entwickeln gemeinsam ihre Story. Indem sie miteinander reden, bilden sich gemeinsame Ziele heraus, werden Schwierigkeiten bewältigt und wird das eigene Tun bedeutsam. Vielleicht ist es zwischen aller „Aufmerksamkeitsökonomie“ und notwendigem Projektmanagement schwieriger geworden, dafür unaufgeregt Orte zu finden und Räume frei zu halten.


Ina Wittmeier

Themenpatin für: Monetarisierung & Präkarisierung

Referentin der Ehrenamtsakademie der EKHN
Geschäftsstelle Ehrenamtsakademie
Kirchenverwaltung der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau
Paulusplatz 1
64285 Darmstadt

Telefon: 06151/405 586
E-Mail: ina.wittmeier@ekhn-kv.de


„Wichtig ist eine gelungene Anerkennungskultur. Aus der Arbeitspsychologie wissen wir, dass ein gutes Klima in einer Organisation den Menschen wichtiger ist, als noch etwas mehr Geld zu bekommen.“

Frau Wittmeier, welche Rolle spielt das Ehrenamt für die Zukunft unserer Kirche?

In der Zukunft müssen wir uns stärker als bisher die Frage stellen, wie die Gleichwertigkeit aller gelebt werden kann und welche Rahmenbedingungen die Menschen in unserer Kirche für ihr Engagement brauchen. Das Ehrenamt ist eine Form des Engagements, an der wir diese Diskussion gut andocken können.

Sie engagieren sich in der Steuerungsgruppe Ehrenamt. Was ist Ihre persönliche Motivation, unentgeltlich Zeit und Wissen zu investieren?

Es ist mir wichtig, eine Stimme für die Ehrenamtlichen zu sein und den Diskurs zum Ehrenamt mit Verantwortlichen zu führen.

Sicher kennen Sie die Doppelbelastung aus Ehrenamt und Beruf aus Ihrer eigenen Arbeit. Wie finden Sie für sich selbst die Grenze zwischen Engagement und Überlastung?

Im eigentlichen Tun ist das nicht immer einfach. Mir hilft es, mich mit anderen darüber auszutauschen, beispielsweise in Supervision oder mit meinem Freundeskreis. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass ein Ehrenamt auch mal beendet werden muss, wenn es nicht mehr gut tut. Das sollte immer möglich sein und akzeptiert werden.

Die Fragen um den Begriff des Ehrenamtes berühren letztlich alle Bereiche kirchlichen Handels. Wie sollte Kirche den Diskurs über dieses Thema in Zukunft führen?

Aus meiner Sicht sollten wir die, um die es hier geht, beteiligen und in den Diskurs miteinbeziehen. Zudem können wir viel aus vorhandenen Studien lernen. Die Ergebnisse sollten mit der Praxis und dem Erleben der Menschen in unserer Kirche abgeglichen werden, und daraus sollten Maximen für kirchliches Handeln abgeleitet werden. Damit sind wir hier ja auf einem guten Weg.

Sie haben die Patenschaft für ein sehr kontroverses Thema übernommen: Was ist Ihre persönliche Meinung – sollte kirchliches Ehrenamt vergütet werden, oder verwässert man damit die Idee des Engagements?

Meiner Meinung nach ist es in der Debatte wichtig, zwischen der Auslagenerstattung und der Aufwandsentschädigung zu unterscheiden. Alle Auslagen sollten ohne Frage erstattet und Ehrenamt somit kostenneutral gestaltet werden. Prinzipiell finde ich, dass Ehrenamt unentgeltlich sein sollte. Eine Bezahlung der eingebrachten Zeit würde prekäre Beschäftigungsverhältnisse stützen. Aus der Praxis kenne ich aber auch Formen und Situationen, in denen eine kleine finanzielle Aufwendung sinnvoll sein kann. Das sollte von Fall zu Fall geprüft und sorgsam abgewogen werden. Wichtig ist eine gelungene Anerkennungskultur. Aus der Arbeitspsychologie wissen wir, dass ein gutes Klima in einer Organisation den Menschen wichtiger ist, als noch etwas mehr Geld zu bekommen.


Perdita Wünsch, Diakonin

Autorin und Themenpatin für: Glaube & Beauftragung

Referentin für Ehrenamtliche
Haus kirchlicher Dienste der Evangelisch-lutherischen
Landeskirche Hannovers
Arbeitsfeld Ehrenamt
Archivstr. 3
30169 Hannover

Telefon: 0511-1241-551
Fax: 0511-1241-766
E-Mail: wuensch@kirchliche-dienste.de

„Kirche erhält durch ehrenamtliches Engagement die Vielfalt, die sie in einer ausdifferenzierten Gesellschaft braucht.“

Frau Wünsch, welche Rolle spielt das Ehrenamt für die Zukunft unserer Kirche?

Ich glaube, eine entscheidende – wenn die Kirche eine Kirche (auch von den Menschen) für die Menschen sein will und nicht nur sich selbst genügen möchte. Ehrenamtliches Engagement ist wie eine Brücke zwischen „der Welt da draußen“ und der kirchlichen Welt, die auch schnell institutionelle, ein wenig weltfremde oder abgehobene Züge annehmen kann. Kirche erhält durch ehrenamtliches Engagement die Vielfalt – der Menschen, der Angebote –, die sie in der Ausdifferenziertheit der Gesellschaft braucht.

Sie engagieren sich in der Steuerungsgruppe Ehrenamt. Was ist Ihre persönliche Motivation, unentgeltlich Zeit und Wissen zu investieren?

Ich finde es wichtig, dass die vielen auch unterschiedlichen Landeskirchen in unserem Land permanent im Gespräch über Erfahrungen, Bedingungen und gelingende Rahmenbedingungen für ehrenamtliches Engagement als eine Säule der Kirche sind – um am Puls der Zeit zu sein. Ebenfalls wichtig finde ich es, dass sie sich gemeinsam auf gewisse Standards festlegen – um den Engagierten einen vergleichbaren und verlässlichen Rahmen zu bieten. Menschen nehmen sich ja nicht als Mitglieder einer bestimmten Landeskirche wahr, sondern als Mitglieder der evangelischen Kirche. Da sind abgestimmte Konzepte hilfreich. Ich mache das ja nicht unentgeltlich. Mein Engagement ist Teil meines Berufes. Mein Arbeitgeber, die hannoversche Landeskirche, hat mir das Engagement „ekd-weit“ genehmigt.

Sicher kennen Sie die Doppelbelastung aus Ehrenamt und Beruf aus Ihrer eigenen Arbeit. Wie finden Sie für sich selbst die Grenze zwischen Engagement und Überlastung?

Zurzeit bin ich persönlich nicht ehrenamtlich engagiert. Ich weiß, dass es für viele wichtig ist, dass sie selbst das Zeitbudget bestimmen können, dass es eine klare Vereinbarung über Art und Zeit des Engagements gibt, die dann auch verbindlich eingehalten wird. Das wäre auch mir wichtig. Ehrenamt darf und sollte eine beglückende Ergänzung sein, keine zusätzliche Belastung. Überlastung wird aber auch schneller empfunden, wenn das Engagement nicht passt, keinen „Spaß“ macht oder keinen Sinn ergibt. Überlastung zeigt sich für Einzelne oft da, wo sich zu wenige Menschen um die Aufgaben kümmern. Da ist es wichtig, eine Kultur der Aufgabenverteilung, Gewinnung und Nachwuchssorge zu entwickeln. Man kann zum Beispiel dem ehrenamtlichen Engagement einen festen Kommunikationsplatz einrichten, über den dann auch schnell Bedarf vermittelt werden kann. Dabei denke ich zum Beispiel an ein festes Kapitel im Gemeindebrief und eine eigene Unterseite des Internetauftritts sowie eine feste Ansprechperson.

Die Fragen um den Begriff des Ehrenamtes berühren letztlich alle Bereiche kirchlichen Handels. Wie sollte Kirche den Diskurs über dieses Thema in Zukunft führen?

Am allerwichtigsten finde ich, dass das Zusammenwirken von beruflichem und ehrenamtlichem Engagement als konstituierendes Merkmal der evangelischen Kirche wesentlicher Bestandteil der Ausbildung von Theologinnen und Theologen sowie anderer kirchlicher Berufe sein muss. Sie sind die dauerhaften Repräsentantinnen und Repräsentanten von Kirche und müssen von Anfang an mit der Thematik in Berührung kommen. Wer bestimmt, welches Bild die evangelische Kirche abgibt? Welche Rolle spielt die Einbindung der Erwartungen und des Engagements der Menschen, die durch ihre Mitgliedschaft beziehungsweise Zugewandtheit der Kirche ihre Existenz geben? Welche Rolle spielen Bibel-, Theologie- und Kirchengeschichtsstudium für das Kirchenbild und die Gemeindeentwicklung für heute und vor allem für morgen?

In allen Bereichen ehrenamtlicher Arbeit kann man eine Professionalisierung feststellen, gleichzeitig möchte Kirche Menschen engagieren, die aus ihrem Glauben heraus handeln. Wie kann diese doppelte Herausforderung gelingen?

Ich weiß nicht genau, was Sie mit Professionalisierung im Gegensatz zum Handeln aus Glauben meinen. Es ist ja so, dass Kirchengemeinde eine Organisation ist, die nach bestimmten Regeln funktioniert. Sie hat einen finanziellen Rahmen und bezahlte Mitarbeitende und wird durch eine übergeordnete Kirchenleitung und eine Gemeindeleitung geführt, die die Entwicklung im Blick behält und selbst mitbestimmt. Da ist es sicher hilfreich, wenn auch ehrenamtliches Engagement in die Strukturen eingepflegt und in ihnen abgestimmt wird. Insgesamt gehe ich grundsätzlich davon aus, dass das freiwillige Engagement einer Christin, eines Christen in ihrem oder seinem Glauben wurzelt. Professionalisierung richtig verstanden, ist für mich: ein Konzept zu haben, um zu wissen und sagen zu können, welchen Schwerpunkten man sich warum zuwendet; festgelegte und transparente Vermittlungs- und Begleitungsstrukturen für ein Engagement zu haben, um es ermöglichen und begleiten zu können; Fortbildung und Reflexion zu fördern und zu fordern, um die nötige Qualität des Tuns zu sichern, und sich schließlich die Offenheit zu bewahren, der heiligen, vielleicht erstmal wildwüchsigen Geistkraft Raum zu geben. Meiner Erfahrung nach bleibt eine Menge Freiraum, um auch zunächst unmöglich erscheinende Ideen von bewegten Menschen mit hineinzunehmen – wenn man das will.